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Im Gespräch mit Frau Dr. Anna Schober - Mitbegründerin der ,,schoberstiftung“ für christliche Hospizarbeit

In den vergangenen Wochen haben wir, der EF Religionskurs von Frau Schmitz, uns mit dem Thema Sterben und dem Lebensende auseinandergesetzt. Im Zuge dessen sammelten wir Informationen zu Sterberitualen in verschiedenen Kulturen und Religionen, sowie Argumente, die für und gegen Sterbehilfe sprechen. Dabei sind wir auf den Bereich der Hospizarbeit und Palliativversorgung gestoßen. Glücklicherweise bot sich uns die Möglichkeit, eine Expertin auf diesem Gebiet für einen Unterrichtsbesuch zu gewinnen. Dr. Anna Schober ist Medizinerin, spezialisiert auf den Bereich Radiologie. Aktuell ist sie tätig als Dozentin an der Universität Münster, wo sie Medizinstudenten unterrichtet. Eingeladen haben wir sie vor allem, da sie Mitbegründerin einer Münsteraner Stiftung ist, die weltweit Projekte fördert, welche sterbenskranke Menschen in der letzten Phase ihres Lebens begleiten. Sie gründete die Stiftung gemeinsam mit ihrem Ehemann, um sterbenden Patienten auch in ihren letzten Lebenstagen einen würdevollen Umgang, die Gelegenheit zu wichtigen Gesprächen und ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln und (hoffentlich) Seelenfrieden zu ermöglichen.

Auf unsere Frage nach der Wahrung einer persönlichen Distanz antwortete sie, es sei notwendig, einen gewissen persönlichen Abstand beizubehalten, jedoch nehme man von den Unterhaltungen mit den Patienten auch viele neue Erkenntnisse und ein großes Maß an Gelassenheit mit nach Hause. So meinte sie: „Mich jucken [alltägliche] Kleinigkeiten nicht mehr.“

Zudem erzählte sie uns, wie der allgegenwärtige Tod sich auf ihren Umgang mit dem Tod innerhalb des Familien- und Freundeskreises auswirkt. Sie schilderte uns außerdem die räumliche Einrichtung eines Hospizes und die Schwierigkeiten, die es zum Teil bei der Betreuung der Angehörigen, für die der Sterbeprozess einer geliebten Person eine enorme Herausforderung ist, gibt. Frau Dr. Schober ging auch auf den finanziellen Aspekt einer Stiftung(sgründung) ein und erklärte uns, dass die ,,schoberstiftung“ ausschließlich durch Spenden unterstützt wird und dass diese, teilweise auch bei öffentlichen Veranstaltungen wie beispielsweise den „Aaseerenaden“ 2018, gesammelt werden. Zudem veranstaltet das Ehepaar Schober eine alljährliche Novembervorlesung, zu der meistens in diesem Themenfeld aktiv beteiligte kompetente Redner eingeladen werden, die vor geladenen Gästen referieren. Besonders beeindruckt hat uns hat uns ein Projekt in Jerusalem, bei dem Anhänger des Christentums, des Judentums und des Islams zusammen in einem Hospiz und ihre letzte Lebenszeit friedlich miteinander verbringen und sich Zimmer teilen. Frau Dr. Schober und ihr Ehemann hatten als Ärzte Zutritt zu diesem Hospiz und machten dabei folgende Erfahrung: Am Lebensende ging es den Hospizbewohnern häufig gar nicht (mehr) um Diskussionen über unterschiedliche und verbindende Gottesvorstellungen oder dergleichen, sondern um ganz alltägliche Dinge wie die Notwendigkeit, wann und wie das gemeinsame Zimmer gelüftet werden solle.

Für uns war es eine sehr interessante Erfahrung, Informationen über so ein vielfältiges, ethisch und theologisch relevantes und emotionales Thema aus erster Hand zu erhalten und wir sind froh und dankbar, dass Frau Dr. Schober sich für uns Zeit genommen hat. Damit hat sie uns gezeigt, dass auch der Tod ein wichtiger Teil des Lebens ist, über den man sich genauso unterhalten kann wie über andere einschneidende Phasen im Leben.