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"Das ist die Mona Lisa der Musik"- Kinderchor singt Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach

Foto: Christoph Schulte im Walde

Vicent Schierbrock mit dem Kontrafagott

So habe ich es formuliert, um die Kinder und ggf. auch Eltern für die Teilnahme am "Matthäus-Passions-Kinderchor" zu begeistern – und es hat funktioniert. Es sind nur zwei Kirchenlieder ("Choräle") mit nicht gerade "kindergerechten" Texten, die ein Kinderchor in Nr.1 ("Kommt ihr Töchter, helft mir klagen") in das verstrickte und sehr bewegende "Gewusel" von zwei Erwachsenenchören und zwei Orchestern ergänzend und anklagend REIN singen und in Nr. 29 ("Oh, Mensch bewein dein Sünde groß") MIT singen darf. Die "Kinderchorfarbe" begeisterte nicht nur alle Beteiligten Musikerinnen und Musiker des auf historischen Instrumenten musizierenden Orchesters "Le Chardon", Sängerinnen und Sänger der Apostelkantorei und Zuhörer inkl. Eltern, sondern auch die Kinder selbst und auch die Presse
(https://www.wn.de/Muenster/Kultur/3722943-Letzte-Matthaeuspassion-mit-Kantor-Klaus-Vetter-in-der-Apostelkirche-Leidensgeschichte-tief-ausgelotet).

Der Kantor wünschte sich vor drei Jahren schon für SEINE letzte Matthäus-Passion 2019 und sein letztes großes Projekt vor dem Ruhestand einen Kinderchor mit vielen Jungenstimmen, da der Klang eines Knabenchores einen besonderen Charakter hat und so sangen besonders viele Jungen aus Klasse 5 bis 8 mit, aber auch ein paar begeisterte Mädchen. Bei der ersten Probe ganz allein singend und in der leeren Kirche den Widerhall von "O Lamm Gottes unschuldig" zu spüren, ging unter die Haut und sorgte für das ein oder andere spontane "Oh" aus den Reihen von Kantorei und Orchester.

Eine besondere Erfahrung war es, die Kinder bei den Konzerten jeweils eine Stunde lang beim Sitzen vor dem teils mit höchster "Action" singenden Chor und direkt hinter den ebenso unglaublich aktiven Musikerinnen und Musikern zu beobachten: Am meisten beeindruckte wohl der Kontrafagottist Thomas Rink v.a. mit den tiefsten Tönen seines knapp drei Meter hohen Instruments! Vincent Schierbrock (Klasse 7) teilte dem Kontrafagottisten zu Beginn der Generalprobe stolz mit, dass er selbst auch Fagott spiele! Das Foto (rechte Spalte) entstand am Sonntag vor dem Konzert.

Beim Zuhören einer sehr dramatischen Musik ließ natürlich auch bei dem ein oder andere einmal die Konzentration nach, aber das war völlig in Ordnung und verständlich. Aber einige Kinder haben am Wochenende das Lesen von Partituren und Klavierauszügen gelernt. Einige brachten sich sogar extra Klavierauszüge von Oma, Vater oder Tante mit. Einige Gesichter waren sehr geprägt vom Mitlesen und vor allem erstaunten Mitdenken des Passionstextes in Kombination mit der Musik. Das ein oder andere Fragezeichen auf der Stirn wird übriggeblieben sein, da die ältere Sprache und deren Bedeutung nicht einfach zu verstehen ist. Ein besonderer Moment ergab sich im zweiten Konzert, als ein Junge in seinem mitgebrachten "Tagebuch der Anne Frank" ausgerechnet zu den Worten Jesu "Meine Seele ist betrübt bis an den Tod…" die Seite mit einem Foto von Anne Frank aufschlug.

DANKE an den in den verdienten Ruhestand sich verabschiedenden Kreiskantor und Freund der Kinderchorarbeit am Paulinum Klaus Vetter, für dieses wunderbare Erlebnis für unsere Kinder!