Gelebte Nachhaltigkeit

Das Paulinum hat ein umfassendes naturpädagogisches Konzept entwickelt, das in allen Stufen wald- und umweltbezogene Bildung vermittelt.

Die Schule orientiert sich dabei an der klassischen Nachhaltigkeitsdefinition im Sinne einer Gleichrangigkeit ökologischer, ökonomischer und sozialer Belange.

Dank einer umfassenden Vernetzung der Schule können mittlerweile inhaltlich und organisatorisch sehr anspruchsvolle Projekte wie ein Klimaschutztag der Schülervertretung selbstständig getragen werden. Eine Videodokumentation , die mit Hilfe der Schülervertretung entstand, gibt einen Einblick in die Breite dieses Engagements.

Mit der Auszeichnung des Schulwaldes durch die Deutsche UNESCO-Kommission als offizielles Projekt der Dekade 2010/2011 „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist die breite Einbindung des Nachhaltigkeitsgedankens in die vielen Aufgabenfelder des schulischen Alltags bereits ausdrücklich gewürdigt worden.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei auch dem im unmittbaren Umfeld der Schule verfügbaren Naturgarten als Arbeits- und Experimentierbereich zu.

Das Wildniscamp im Teutoburger Wald schließt an solche Handlungsfelder an und bietet der Jahrgangsstufe 8 zusätzliche erlebnisorientierte Naturerfahrungen.

Auch durch jährliche Pflanzfeste des von der Schule gegründeten Bildungsnetzwerks Nachhaltigkeit (BINA) und der Naturgarten-AG lebt die Schule einen umfassenden Nachhaltigkeitsansatz.

Dabei kooperieren Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft zur Förderung nachhaltigen Handelns vor Ort.  Beteiligt sind neben dem Gymnasium Paulinum das Handwerkskammer Bildungszentrum Münster, das Internationales Institut für Wald und Holz e.V. an der Westfälischen Wilhelms-Universität und die Firma Zimmermann Datenvernichtung GmbH.

Projekttage der Schülervertretung haben im Jahr 2013 und 2015 die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz weiter in das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler gebracht und damit einen dauerhaften Prozess an der Schule angestoßen. Gerade die eigenständige Umsetzung seitens der Schülervertretung machte den Klimaschutzprojekttag 2015 besonders erfolgreich und inhaltlich lohnend.

2012 und 2015 wurde das Paulinum bei der landesweiten Kampagne „Schule der Zukunft“ sowohl als Einzelschule als auch als Mitglied des Münsteraner Netzwerkes der Schulen mit Schulgärten ausgezeichnet. Mittlerweile wird das Paulinum auch als Fortbildungseinrichtung für Umweltpädagogen genutzt.

2012 erhielt die Schule aufgrund ihrer vielfältigen Aktivitäten in der Umweltbildung den Umweltpreis der Stiftung „Bürger für Münster“ in Silber.

Mit dem Münsteraner Institut eco-transfer  hat das Paulinum als weithin überhaupt erste Schule einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der unter dem Titel "Weltblick" das nachhaltige Handeln an der Schule zusammenfasst.

Der Naturgarten (Foto: Frauke Schumann)
Pflanzaktion 2011
Humusanalyse
Im Wildniscamp

Schulwald

Dem Gymnasium Paulinum steht seit September 2008 mit dem "Kiesekamps Busch" eine ca. 20 ha große Waldfläche am Zoo zur Verfügung. Die Waldfläche wurde der Schule vom Grünflächen- und Umweltamt der Stadt Münster bereitgestellt.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den Schulwald des Paulinum inzwischen als offizielles Dekade-Projekt 2010/2011 "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet und die breite Einbindung in viele Handlungsfelder des Schulalltags hervorgehoben.

Aktionen im Schulwald und im urbanen Umfeld des Waldes

Angesichts begrenzter Ressourcen ist der verantwortungsvolle Umgang mit einem nachwachsenden Rohstoff, dem Wald, unverzichtbar. Den Schülerinnen und Schülern ist dies vor allem durch praktische Aktionen vor Ort zu vermitteln: Was man jetzt kennen und schätzen gelernt hat, wird man - hoffentlich - später bewahren und aktiv durch "globales Denken und lokales Handeln" sichern. Eine zentrale Erfahrung sind dabei gemeinsame Pflanzaktionen im Schulwald.

Zusammen mit der Firma Zimmermann hat das Paulinum das "Bildungsnetzwerk Nachhaltigkeit (BINA)" gegründet, um weitere Partner für solche Aktionen zu gewinnen.

Im Kunstunterricht wird der Schulwald als experimenteller Raum für „Landart Konzepte“ genutzt. Orientiert an künstlerischen Positionen etwa von Richard Long oder Andy Godsworthy erprobten die Schülerinnen und Schüler vor Ort umweltverträgliche Interventionen. Unterstützt wurde das Landartprojekt im Rahmen des NRW- Landesprogramms „Kultur und Schule“ auch von einem Architekten.

Eine 6. Klasse entwickelte mit viel Kreativität, Ausdauer und Umsetzungsgeschick überraschende Kunstobjekte im Schulwald: ein Zelt aus Baumstämmen, eine Waldwippe, Masken und Skulpturen aus Lehm und Zweigen, eine Waldminigolfanlage, geheimnisvolle Wegezeichen, eine Ausstellung von Fundstücken, eine Fotoserie mit einem an eine tanzende Gazelle erinnernden Stock oder gar ein Waldhotel. Die Ergebnisse konnten im Schulwald besichtigt werden; eine fotografische Dokumentation hängt in der Schule aus.

Erdkunde

Im Rahmen der umfassenden Kooperation mit dem Bildungszentrum der Handwerkskammer (HBZ) und dem Wald-Zentrum der WWU wird im Erdkundeuntericht die Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe, insbesondere des Werkstoffes Holz erschlossen. So sieht der schulinterne Lehrplan für den Leistungskurs eine Exkursion in den Schulwald, den Besuch eines Technologie-Demonstrations-Hauses der HWK und einem Vortrag im Waldinstitut vor.

Dabei stehen Themen wie Nachhaltigkeit, neue Verwendungen des Rohstoffes Holz und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe im Focus von Unterrichtseinheiten, die Lösungsstrukturen für die Energie- und Rohstoffprobleme des 21. Jahrhunderts aufzeigen.

Waldaktionen

Die Jahrgangsstufe 5 befreit den Schulwald jährlich einmal von Müll und Unrat. Begleitend werden im Biologieunterricht die von dem Müll ausgehenden Gefahren für die Tier- und Pflanzenwelt und die Verrottungszeiten behandelt. Die Schülerinnen und Schüler bestimmen auch die im Wald vorgefundenen Frühjahrsblüher und untersuchen deren Lichtansprüche mittels Luxmeter.

Beeindruck von der großen Menge gesammelten Mülls greift man im Kunstunterricht das Thema Müll auf und gestaltet aus den Abfällen "Müllmonster". Als Mahnmale auf der Fläche des Naturgartens der Schule für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar ausgestellt, rundn sie die naturpädagogische Aktion ab.

Sozialwissenschaften

Die Einführungsphase der Oberstufe beschäftigt sich im Rahmen der für das Fach Sozialwissenschaften curricular vorgegebenen Inhaltsfelder I (Marktwirtschaft) und III (Politische Strukturen und Prozesse in Deutschland) unter verschiedenen Aspekten mit dem Thema Wald. Als Form der Auseinandersetzung wird eine Podiumsdiskussion gewählt: „Soll der Schulwald am Naherholungsgebiet Aasee einem Vergnügungspark weichen?“

Die kontroversen Perspektiven des Homo Ökonomicus und des Homo Ökologicus werden mittels einer Exkursion im Schulwald vorbereitet. Als Experten beteiligen sich der Stadtförster und Vertreter des städtischen Grünflächen-und Umweltamtes, des NABU Münster, der städtischen Wirtschaftsförderung, des zuständigen Regionalforstamtes Münsterland und des Wald-Instituts. 

Austauschschulen

In den Austauschbeziehungen des Paulinum kann das fast stereotype Interesse vieler Besucher am „deutschen Wald“ aufgegriffen werden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit Wäldern lassen sich konkret im Rahmen gemeinsamer Projekte erfahren.

Bei den Schüleraustauschen erweisen sich gerade der Schulwald des Paulinum und die Arboreta in Poznan (Polen) und Horsholm (bei Kopenhagen) als verbindende Elemente; die gemeinsame inhaltliche und praktische Arbeit schafft sinnhafte Bezüge in der Kommunikation.

Nachhaltigkeitskonzept

Der Kooperationsvertrag zwischen dem Wald-Zentrum und dem Paulinum sieht neben der inhaltlichen Unterstützung im schulischen Alltag auch Lehrerfortbildungen, die gemeinsame Nutzung internationaler Kontakte sowie Praxismöglichkeiten von Studenten vor. Derzeit erarbeiten vier Landschaftsökologiestudentinnen ein transdiziplinäres Nachhaltigkeitskonzept für das Gymnasium Paulinum, in dessen Zusammenhang auch eine Evaluation des Schulwaldprojektes vorgenommen und Verbesserungspotentiale erarbeitet werden.

Video: Neue Bäume für den Schulwald

Naturgarten

Die Naturgarten-AGs des Paulinum haben im Laufe der vergangenen Jahre weitgehend in eigener Arbeit einen Naturgarten zum Experimentieren und Forschen angelegt. Hier wurde der jährliche Winterblatthaufen für die Igelüberwinterung angelegt.

Drei AG’s mit jeweils etwa 15 Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 5 und den Jahrgangsstufen 6 bis 8 haben viel Spaß daran, der Natur zu helfen und mit der Natur einen Garten zu gestalten.

Geleitet werden die AGs von dem Naturpädagogen des Paulinum, einem ehemaligen Förster. Dabei ging es von Anfang an nicht nur um das - inzwischen sehr weit gediehene - Ergebnis, sondern vor allem um die gemeinsamen Erfahrungen auf dem Weg dorthin.

Mittlerweile sind unsere Ideen fast vollständig verwirklicht. In unserem Teich, der mit großer Schülerbeteiligung (90 Schülerinnen und Schüler fast aller Jahrgangsstufen) erstellt wurde, haben sich bereits 17 verschiedene Tierarten angesiedelt und es werden immer neue entdeckt. Temperatur und Lichteinfall werden im Jahresverlauf untersucht, und der Teich spielt inzwischen im Biologieunterricht eine große Rolle.

Die älteren Naturgartenmitglieder sind mittlerweile so gute Experten, dass Schülerinnen und Schüler der Grundschulen von ihnen viel lernen können. Grundschulen aus dem Netzwerk Schulgärten in Münster, in dem auch das Paulinum Mitglied ist, nutzen häufig dieses Fortbildungsangebot und sind von der technischen Ausrüstung der Naturgarten-AG (Kamera und Bildschirm für die kleinen Wassertiere) fasziniert. Auch die Natur- und Umweltschutzakademie (NUA) nutzt die Kenntnisse der Naturgartenexperten des Paulinum für Lehrerfortbildungen in ihrem Fortbildungsangebot.

Ob Sinnesweg, Blumenwiese, Komposthaufen, Steinschüttung, Anbaufläche, Staudengarten oder Wildbienenhotel, es gibt immer eine Menge Neues im Jahreszeitenverlauf zu erkunden und zu beobachten. Mit unserem 4 Sterne-Wildbienenhaus hat alles im Jahr 2008 begonnen. Mittlerweile gibt es auch einen selbstgebauten Wildbienenbeobachtungskasten, damit die Aufzuchterfolge der Wildbienen auch mit verfolgt werden können.

Die neuste Attraktion ist ein Abenteuerweg, der auch zur Teamfindung und -stärkung genutzt werden kann. Auch kulinarisch gibt es im Jahresverlauf einiges zu entdecken und herzustellen, Bärlauchbutter, Holunderblütensirup, Apfelsaft, Kräuter für die Paula, Stockbrot, Popcorn und noch einiges mehr.

Die eigene Apfelsaftherstellung im Herbst ist immer etwas Besonderes. Der Geschmack von frisch gepressten Äpfeln ist doch etwas anderes, als das im Supermarkt erhältliche „Apfelwasser“. Für einige AG-Mitglieder ist dies immer eine neue Erfahrung. Die Naturgarten-AG ist mittlerweile so versiert, dass sie auf den jährlichen Pflanzfesten zur Freude der Besucher auch frischen Apfelsaft anbietet.

Im Winter geht es in den Werkraum und dort werden neue Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Ohrwürmer, Igel, Kröten, Vögel aus verschiedenen Naturmaterialien erstellt und zum Teil auf dem Sommerfest verkauft. Eine neue Attraktion sind die selbstgebauten Hängematten aus Holz. Diese werden im Sommer dann zum Verweilen im Naturgarten aufgehängt. Weiterhin werden die Hängematten auch in das Wildniscamp einer Klasse der Jahrgangsstufe 8 mitgenommen.

In den Sommermonaten begleitet der Schulhund Linus die Naturgarten-AG’s und sorgt für viel Freude und Aufregung. Linus ist ausgebildeter Begleithund und kann eine Menge kleiner Kunststücke. Aber nur die korrekten Kommandos in der „Hundesprache“ führen zum gewünschten Erfolg.

Die Naturgarten-AG‘s wurden als Hauptpreisträger der Zehn- bis Zwölfjährigen im Wettbewerb "Entdecke die Vielfalt" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt prämiert; sie erreichte in der Kategorie "Natur erforschen" den ersten Platz. Der hohe Praxisbezug wurde von der Jury dabei besonders hervorgehoben.  Die Auszeichnungsfeier „Schule der Zukunft“ fand im November 2012 bewusst im Paulinum statt, da die Schule selbst mit der höchsten Kategoriestufe und gleichzeitig auch als Netzwerkschule ausgezeichnet wurde.