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Quempas-Singen in der Petrikirche: Die schönsten Klänge zum Fest

Wer am Samstag die Petrikirche besuchen wollte, hatte sich den Weg durch endlose Pilgerzüge zu bahnen, die gen Innenstadt dem Circus Maximus der Weihnachtsmärkte entgegenströmten. Beim Quempas-Singen in der Petrikirche herrschte statt dessen tiefer Friede, vom Goldton der Kerzen illuminiert. Draußen tobte es in wildesten Tönen – drinnen holde und heroische Klänge als „Gegenüberstellung von Kriegsmusiken und ,musikalischer Verheißung’ der Weihnachtsbotschaft“, wie es im Programm hieß.

Der Philharmonische Chor Münster, der Kinderchor des Gymnasium Paulinum, das Embrassy-Blechbläserensemble sowie Schlagzeug und Orgel unter der Leitung von Martin Henning boten ein Programm quer durch die Jahrhunderte, vom gregorianischen „Veni, veni Emmanuel“ bis zu Arvo Pärts Choralkomposition „Da pacem Domine“ – anlässlich des Terroranschlags von Madrid am 11. März 2004 geschrieben. Perkussive Wucht und zäher Ingrimm dominierten in „L’homme armé“ (Der Mensch/Mann in Waffen), das Karl Jenkins seiner „Mass for Peace“ effektvoll einverleibte. Blechbläser schmetterten, als zöge eine in Rüstungen gepanzerte Armee vorüber, im Schlagzeug klirrte es wie Schwertkämpfe auf dem Schlachtfeld, der Chor steigerte sich wie in einen Rausch archaischer Kriegsbegeisterung. Heinrich Schütz’ Motette „Verleih uns Frieden gnädiglich“ kontrastierte in seiner strengen Ruhe umso schärfer diesen Aplomb, während Arthur Bliss’ „Fanfare for He­reos“ Stolz und Würde aller Soldaten eher unpathetisch glorifizierte.

Mit dem Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ wurde es hell in der Petrikirche, die Zuhörer stimmten als Christengemeinde in den Gesang ein. Andreas Hammerschmidts Motette „Machet die Tore weit“ führte zu einem Ruhepunkt, der Tutti-Refrain „Freut euch, ihr Christen!“ wirkte tatsächlich erwartungsvoll. Flott und keck sang der Kinderchor John Rutters poppiges „Star Carol“, bevor der Evergreen „Vom Himmel hoch“ erklang.

Embrassy ließ es schließlich an nuancierter Eleganz nicht fehlen. Im Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ wandelten Gemeinde und Musiker auf dem Weg einträchtiger Religiosität, kaum dass Samuel Scheidts kriegslüsterne „Galliarda la Battaglia“ verklungen war. Weihnachten pur! (Günter Moseler, Münstersche Zeitung)

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